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Atemmeditationen

Die Atemmeditation ist eine spezielle Form der Meditation bei der nicht ein Mantra oder ein Begriff im Vordergrund steht sondern der Atemrhythmus.

Diese Form der Meditation wird sowohl klinisch als auch im Wellness-Bereich, im Ayurveda und in verschiedenen esoterischen Gruppierungen angewendet.

Es werden verschiedene Formen der Atemmeditation unterschieden.

== Buddhistische Atemmeditation ==
  • 1. Vipassana - Beobachtung des Aus- und Einatmens (je nach Linie verschieden)
    Die Vipassana-Meditation(vipassana-bhavana) basiert hauptsächlich auf zwei der im Pali-Kanon dargestellten Praxislehren: die 'Rede von den Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit'(satipatthana sutta) - oft auch 'Grundlagen der Achtsamkeit' genannt - und die 'Rede vom Bewussten Ein- und Ausatmen' ( Anapanasati sutta[13]) - s.a. :  Kadampa Meditation
    Die Konzentration auf den Atem (Anapanasati) ist vielleicht die am häufigsten praktizierte buddhistische Meditationsmethode [Anapasati - PDF].
    Die grundlegende Übung ist die 'Atembetrachtung' während der Sitzmeditation. Hierbei nimmt der Meditierende einen Kontakt mit dem Atem auf, ohne diesen zu manipulieren oder zu kontrollieren. Dabei ist die Konzentration auf einen konkreten Angelpunkt zwischen Atem und Körperempfindung hilfreich; z.B. das Heben und Senken der Bauchdecke oder das Ein- und Ausströmen des Atems durch die Nasenlöcher.
    * s.a.: Atemmeditation(buddhainfo)
  • 2. Das Körperdurchkehren: Die Technik der Körper-Empfindungs-Beobachtung ist ein Ansatz des Vipassana, der auf U Ba Khin und dessen Schüler S.N. Goenka zurückzuführen ist : Vor der eigentlichen Praxis werden die Empfindungen um die Nasenlöcher bei jeder Ein- und Ausatmung werden immer präziser betrachtet. Danach wird der eigene Körper mit der Achtsamkeit systematisch durchwandert, um die verschiedenen Empfindungsgebiete und schmerzlichen Spannungsfelder immer unmittelbarer zu erfassen, bis ihre Vergänglichkeit bzw. ihr Nicht-Selbst auf einer tieferen Ebene verstanden werden. [13]

    In Indien wird diese Technik auf Empfehlung des Innenministeriums mittlerweile in den meisten Gefängnissen gelehrt.(Chandiramani, K., Verma, S.K., Dhar, P.L., Aggarwal, N. (1994); Psychological effects of vipassana on Tihar jail inmates: a preliminary report. In Vipassana Research Institute (Ed.), Vipassana: its relevance to the present world world: an international seminar, april 1994, New Delhi. Mumbai, India: Apollo Printers)

== Zazen - Atemmeditation ==

In der Soto-Schule des Zen gilt Susokukan (PDF), eine Atemzählmeditation, eher als Übung der Einsteiger; später übt man Zuisokukan (PDF), 'dem Atem folgen', also darauf nur achtsam sein, und letztendlich soll man zu Shikantaza kommen, dem 'ausschließlichen Betreiben der Tätigkeit Sitzen'. Wie sich bei EEG-Messungen feststellen (PDF) lässt, ist das kein 'bloßes Abschalten' sondern eine 'extrem gespannte Aufmerksamkeit', die aber auf nichts Konkretes gerichtet ist.

== Indische Atemmeditation ==

Die Atemmeditation ist im Yoga Indiens auch ein Teil des Pranayama. Sie geht aber je nach Schule auch weit darüber hinaus.
  • 1. Atembeobachtung : Die Bewegung des Atems in der Nasenwurzel bzw. im Punkt zwischen den Augenbrauen wird nur beobachtet und dabei nicht beeinflusst. Spüren, wie sich die Empfindung im Punkt zwischen den Augenbrauen beim Einatmen und Ausatmen entwickelt.
  • 2. Lenkung des Ein- und Ausatmens mit Hilfe des Mantras 'so-ham'. Diese traditonelle Methode wurde auch von Baba Muktananda(Muktananda : Spiel des Bewusstseins) und von Sai Baba gelehrt. So-ham ist das Ajapa Mantra, auch als 'weisser Schwan' bezeichnet(paramatma-mantra, Ajapa Gayatri). Manchmal wird auch So-haun (So - hum) verwendet.
    Übung: Richten sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Brücke der Nase und spüren Sie den Luftstrom der in die Nasenlöcher herein- und herausströmt. Koordinieren Sie die Einatmung mit dem Ton 'Sooooo...' des So-Ham Mantra. Koordinieren Sie die Ausatmung mit dem Ton 'Hammmm...' des Soham Mantra.
  • 3. Das Mantra 'Ham-sa' wird im Hatha-Yoga zur Begleitung der Atemübungen benutzt (Hamsa Gayatri, Hamsa mantra, prana mantra) es wird auch als 'Gans der Vergänglichkeit' bezeichnet im Gegensatz zum 'Schwan' des So-ham(Atma).
  • 4. Das Mantra Ra-Ma wird als normale Atemübung verwendet(RaMa-Atemmeditation).
  • 5.Yogananda's Schule verwendet die 'Hong-So'-Atem-Meditation (Hong-so)
  • 6. Der indische Tantriker benutzt 'matrika'-Worte als Zeitmaß für den Prozess des Einatmens(puraka), des Ausatmens(recaka) und des Einbehaltens(kumbhaka) des Atems. Er wiederholt mental 'am am im im um um rm rm lrm lrm em aim om aum am ah' um die Länge des Einatmens zu steuern.
    Für das Einbehalten benutzt er : 'kam kham gam gham nam cam cham jam jham nam tam tham dam dham nam tam dam dhamnam pam pham bam bham mam '.
    Für das Ausatmen benutzt er : 'yam ram....ksam'.[Agehananda Bharati : The Tantric Tradition , Samuel Weiser Inc , New York 1975 ISBN 0-87728-253-6 - Seite 274 ]
== Chinesische Atemmeditation ==

* Das Tao-Te-Ching sagt Kap. 10 sinngemäß : " Verdichte Deinen Lebensatem und erreiche Empfänglichkeit - kehre zum Neugeborenen zurück. "
In der Tao-Atem-Schulung wird der Atem konzentriert in verschiedene innere Körperbereiche geführt. Mit der Tao-Atmung ist eine Auflösung von inneren Blockaden verbunden, um so den Weg des Qi frei zu machen.
  • Tao-Atem : Auch das Taipingjing (Klassiker des Höchsten Friedens, Universalharmonie) enthält neben Angaben zu Meditation und Kräutermedizin verschiedene Atemübungen.

    Die Methoden des Heilatmens entstammen vielfach mündlichen Familientraditionen. Sie werden in den atemtherapeutischen Instituten von in den Atemübungen selbst bewanderten Ärzten begleitet, die bei Schwierigkeiten richtig beraten können.

    Im Vordergrund steht die Entspannung und das Stillwerden(Sung-ching Wuei Chu). Entspannung bedeutet hier ein Erschlaffen des gesamten Körpers, Stillwerden aber die Beruhigung des Geistes,

    Der zweite Grundsatz ist die Verknüpfung der Atmung mit der Aufmerksamkeit(I-ch'i Ho-i).
    Anfänglich wird immer eine Übung aus dem Kreis der 'inneren Stärkung' durchgeführt und die Muskeln von oben nach unten nacheinander entspannt. Der Patient vertieft dann die Atmung stufenweise leicht und locker bis zur Bauchatmung und atmet dabei durch die Nase. Als Hilfe kann er dabei an ein bestimmtes Wort wie S'ung(Ruhe) denken oder sich auf Punkte des Körpers konzentrieren.
    Es existieren auch kombinierte Formen der 'inneren erhaltenen Übungen'(Nei-Yang-Kung) wie Ausatmen durch den Mund mit Aufmerksamkeit auf den Kopf und Einatmen durch die Nase oder bei jedem Atemzug immer an das gleiche Wort zu denken, was als 'Harmonie und Ruhe' bezeichnet wird.

    Der dritte Grundsatz ist die abgestimmte Wechselwirkung von Üben und Verweilen(Lien-yang Hsiang-chien), welches als ruhen der Aufmerksamkeit auf den Nabel ausgeführt wird.
    Die Atemübungen werden in verschiedenen aufrechten und liegenden Körperhaltungen ausgeführt. Stephan Palos: Chinesische Heilkunst, S. 169-178

    Nach der traditionellen Lehre soll die Aufmerksamkeit durch die Atmung gelenkt werden. Es existieren aber zusätzlich verschiedene Varianten des bewussten Bauchwölbens.
    a. Die übereinstimmende Atmung (Shun-hu-hsi-fa) : beim Einatmen wölbt sich die Bauchdecke.
    b. Die gegensätzliche Atmung(Ni-hu-hsi-fa) : beim Einatmen zieht sich die Bauchdecke ein.
    Dabei wird die innere Wärme und der Tan-tien-Punkt beobachtet und evtl. zuletzt eine weisse Farbe in den Füssen visualisiert.
    Zusätzlich werden organbezogene Silben wie Ka-o, Chen - Teng, Sh'ang, T'ung, K'o, H'sü, Hu, H'si, Ch'ui verwendet. Allgemeinere Silben sind S'ung(Stille), F'ang(Entspannung), Ch'ing(Reinheit) und Ch'iang-Chien. Manchmal wird auch ein Kreislauf zum Tan-Tien-Punkt erzeugt.
    Von Prof. Palos begleitete Messungen ergaben signifikante Änderungen der elektrischen Potentiale zwischen den spezifischen Akupunkturpunkten, die auch in der Elektroakupunktur relevant sind.
    ( Palos :Atem und Meditation, S.140-154 )
Prof. Palos beschreibt dabei drei Übungsbereiche:
1. Nei-Yang-Kung, d.h. die inneren erhaltenden Übungen
2. Ch’iang-Chuang-Kung, die „inneren Stärkungsübungen
3. Pao-Chien-Kung, die äußeren Kräftigungsübungen ('die Gesundheit schützenden Übungen') und die drei Grundforderungen des Übens:
1. Sung-Ching Wie Chu (Hauptaufgabe: Entspannung und Stillwerden)
2. I-Chi’i Ho’i (Vereinigung von Aufmerksamkeit und Atmung)
3. Lien-Yang Hsiang-Chien (Wechselwirkung von Üben und Verweilen)
 

== Moderne Varianten ==

Kleinere moderne Schulen der Atemmediation sind 'Quantum Light Breath', die Licht-Atem-Meditation von Tef Fonfara (Licht-Atem - MP3), die OSHO Chakra Breathing Meditation (OSHO Chakra Breathing - PDF) und das holotrope Atmen nach Stanislav Grof.

== Bücher ==
  • 1. Stephan Palos :Atem und Meditation, Moderne Verlagsges., 1994. 237 Seiten, ISBN: 3478084830 (EAN: 9783478084833 / 978-3478084833)
  • 2. Hans Meyer / Gabi Meyer-Schmölz: Das Tao im Yoga und im Ur-Atem. Vom Erfahrbaren Atem Ilse Middendorfs über die Kevali-Atmung des Pranayama Boris Sacharows zur Lebenskraft Chi. 2010 Synergia Verlag, Darmstadt;
  • 3. Das Tao des Atmens , Dennis Lewis, TB, Ariston 1997, ISBN-10: 3720519813, ISBN-13: 978-3720519816
  • 4. Stephan Palos : chinesische Heilkunst , Gondrom, 1984, ISBN 3-8112-0671-0
  • 5. Tao Te King - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben, Richard Wilhelm, Eugen Diederichs Verlag, 1952.
  • 6. www.buddhanet.net/pdf_file/anapanasati.pdf Anapanasati
  • 7. Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik: Haltung und Methode von Ulrike Anderssen-Reuster von Schattauer ,2011.
  • 8. Atem-Techniken , Markus Schirner, Stb, Zahlreiche einfache Atem-Übungen zur Selbstheilung, Verjüngung und Harmonisierung
  • 9. Allmen, F.v. (1990). Die Freiheit entdecken: Vipassana Meditation im Westen. Zürich: Theseus.
  • 10. Brown, D.P. & Engler, J. (1988). Die Stadien der Achtsamkeitsmeditation: Eine Validierungsstudie. Erster Teil. In K. Wilber, J. Engler & D.P. Brown, Psychologie der Befreiung (S. 171-202). Bern: Scherz.
  • 11. Engler, J. (1988). Therapeutische Ziele in Psychotherapie und Meditation: Entwicklungsstadien der Selbstrepräsentation. In K. Wilber, J. Engler & D.P. Brown, Psychologie der Befreiung (S. 31-66). Bern: Scherz.
  • 12. Gruber, H. (1997). Das Herz buddhistischer Meditation. Die Hauptansätze der Achtsamkeitspraxis Vipassana im Westen. Deutsche Buddhistische Union (DBU). Lotusblätter - Zeitschrift für Buddhismus, 11, 4/97 + 1/98, 46- 51.
  • 13. Gruber, H. (1999). Kursbuch Vipassana: Wege und Lehrer der Einsichtsmeditation. Frankfurt a. M.: Fischer.
  • 14. Kabat-Zinn, J. (1982). An outpatient program in behavioral medicine for chronic pain patients based on the practice of mindfulness meditation: theoretical considerations and preliminary results. General Hospital Psychiatry, 4, 33- 47.
  • 15. Nyanaponika (1993). Geistestraining durch Achtsamkeit. Konstanz: Christiani. (1. Auflage 1969)
  • 16. Burkhard Peter/Wilhelm Gerl: Entspannung, München: Goldmann, 1981, S. 204 ISBN: 3442108705 (EEG Mnatramwiederholung)
  • 17. Achtsamkeitmeditation - Aktivierungsmuster und morphologische Veränderungen im Gehirn
  • 18. Körperorientierte Psychotherapie, Hans Müller-Braunschweig und Niklas Stiller ,2010, II, 157-194, DOI: 10.1007/978-3-540-88804-8_8 (Atemtherapie)
  • 19. Agehananda Bharati : The Tantric Tradition , Samuel Weiser Inc , New York 1975 ISBN 0-87728-253-6 , (Seite 274)

== Weblinks ==