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Die Universelle Lehre - gewidmet den Menschen wahren guten Willens Die Universelle Lehre - gewidmet den Menschen wahren guten Willens

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Das Vitale

An dieser Stelle müssen wir auf die Disziplinierung des vitalen Wesens hinweisen. Das Vitale in uns ist der Sitz der Antriebe und Begehrungen, der Begeisterung und Gewalttätigkeit, der dynamischen Energie und verzweifelten Depressionen, der Leidenschaften und Revolten. Es kann alles in Bewegung setzen, konstruieren und realisieren. Es kann aber ebenso auch alles zerstören und alles verderben.
Darum ist es im menschlichen Wesen vielleicht jene Seite, die am schwierigsten unter eine Disziplin gebracht werden kann. Für diese Arbeit muss man einen langen Atem haben und eine große Geduld aufbringen. Sie erfordert überdies eine vollkommene Aufrichtigkeit. Wenn man die ersten Schritte nicht schon in voller Aufrichtigkeit unternimmt, wird man sich selbst betrügen, und jeder Versuch zum Fortschritt muß vergeblich bleiben.
Wenn aber das Vitalwesen mitarbeitet, erscheint keine einzige Verwirklichung als unmöglich und keine Transformation als undurchführbar. Das Vitale ist ein guter Arbeiter. Es strebt jedoch meistens nur nach seiner eigenen Befriedigung. Wenn man ihm diese völlig oder auch nur teilweise verweigert, so ärgert es sich, zieht sich übellaunig zurück und tritt in Streik. Dann verflüchtigt sich die Energie mehr oder minder völlig und überlässt ihren Platz dem Widerwillen gegen Dinge und Menschen, der Mutlosigkeit oder Auflehung, der Depression oder Unzufriedenheit. In solchen Augenlicken ist es dann ratsam, ruhig zu bleiben und sich vom Handeln zurückzuhalten, denn das sind die Momete, wo man sonst Dummheiten begeht oder wo man vielleicht in wenigen Augenblicken das Werk von Monaten regelmässiger Bemühungen und den ganzen erzielten Fortschritt zerstören kann. Solche Krisen dauern weniger lang, und sie sind auch für die weniger gefährlich, die den inneren Kontakt mit ihrem psychischen Wesen so stark hergestellt haben, daß sie in sich die Flamme der Aspiration und das Bewußtsein von dem zu realisierenden Ideal lebendig genug erhalten können. Mit Hilfe dieses Bewusstseins können sie auf ihr vitales Wesen einwirken, wie man ein widersetzliches Kind behandelt: geduldig und beharrlich, indem man ihm die Wahrheit und das Licht zeigt, indem man es zu überzeugen und in ihm den guten willen zu erwecken sucht, der für einen Augenblick verhüllt gewesen war. Dank einer solchen geduldigen Behandlung kann jede Krise in ein neues Vorwärtskommen und in einen weiteren Schritt hin zum Ziel umgewandelt werden.
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Der Charakter und die Transformation des Vitalen: Im allgemeinen arbeiten die Disziplinen, die sich mit dem vitalen Wesen, seiner Läuterung und Bemeisterung befassen, mit Zwang, Unterdrückung, Abstinenz, Askese. Dieses Verfahren ist gewiss viel leichter und rascher, ist aber in seiner Tiefenwirkung weniger nachhaltig und erfolgreich, als das einer strengen und ins Einzelne gehenden Erziehung.
Außerdem unterdrückt es jede Möglichkeit, daß das Vitale mitwirken, sie unterstützen und mit anderen Kräften zusammenarbeiten kann. Jedoch ist gerade diese Mithilfe von größter Wichtigkeit, wenn man danach strebt, daß das Wachsen des Individuums und sein Handeln allumfassend werden soll.
Weiter in "Aurobindo, Bulletin of Physical Education II,1950,Nr4;II 1951,Nr1-4;IV,1952,Nr.1


"Wenn das Vitale in die Liebe zum Göttlichen einstimmt, bringt es Heldenmut, Begeisterung, Eindringlichkeit, Unbedingtheit, Ausschliesslichkeit, den Geist der Aufopferung, die vollständige und leidenschaftliche Selbsthingabe der ganzen Natur. Die vitale Leidenschaft für das Göttliche ist es, die spirituelle Helden, Eroberer und Märtyrer schafft."